16.12.11 - Verwirrspiel um Strompreise: Erhöhung fällt nun doch niedriger aus
Für Otto Normalverbraucher ist es wohl nur schwer zu verstehen: Zuerst wird eine Strompreiserhöhung angekündigt. Und dann – noch bevor sie in Kraft tritt – sinken die Strompreise wieder.
Auch für Walter Dürr, den Geschäftsführer der Gemeindewerke Haar und Kopf der örtlichen Stromversorgung, keine leichte Situation.
Steigen die Strompreise nun zum Jahresanfang oder nicht?
Dürr: Ja, die Strompreise steigen. Aber wesentlich geringer, als wir angekündigt haben. Das bedeutet, dass wir jetzt ganz kurzfristig nochmal neue Preise veröffentlichen müssen.
Woher kommt diese Verwirrung um die Preise?
Dürr: Auch wir haben das Gefühl, Spielball der politischen Willkür zu sein. Im Sommer 2011 hat der Gesetzgeber eine Neuregelung der Stromnetzentgeltverordnung (StromNEV) beschlossen – vorerst aber noch ohne konkrete Angaben zu den Auswirkungen auf die Preise. Im November folgte dann die Ankündigung der Bundesnetzagentur, wonach die neue Umlage der Netzentgelte – die so genannte § 19-Umlage – mit einem Bruttobetrag von 0,75 Cent je Kilowattstunde (kWh) angegeben wurde. Also mussten wir uns danach ausrichten und unsere Preise um diesen Betrag erhöhen.
Und jetzt steigen die Preise doch nicht?
Dürr: Doch, sie steigen schon – aber wesentlich geringer, als angekündigt war. Der Hintergrund ist, dass die Versorgerverbände Sturm gelaufen sind und gegen die Ungerechtigkeit der Beschlüsse protestiert haben. Schließlich war der Hintergrund der Preiserhöhung, dass die stromintensiven Industrieunternehmen von den Netzgebühren befreit werden sollten. Der dadurch entstehende Kostenausfall sollte auf die Endkunden umgelegt werden. Einfach gesagt: Der private Stromkunde sollte zur Kasse gebeten werden, um die Industrie zu entlasten.
Der Widerstand hat sich also gelohnt?
Dürr: Glücklicherweise, ja – zumindest was den Umfang der Belastungen anbelangt. Es zeigt auch, dass es sich lohnt, nicht alle Beschlüsse der Regierung und der Bundesnetzagentur als ausführender Behörde zu akzeptieren. Die Umlagenhöhe wurde am 15. Dezember 2011 neu festgelegt, so dass die Erhöhung jetzt statt 0,75 Cent nur noch 0,18 Cent brutto je kWh betragen soll.
Wir stehen zu unserem Wort, nur die gesetzlichen Kosten weiterzureichen, die auch tatsächlich anfallen. Daher werden wir unsere Preise zum Jahresbeginn nur um die neu festgelegte Umlage anpassen. Unsere Preisanpassung von Ende November ist damit wieder hinfällig.
Die neuerliche Änderung zwingt uns natürlich, schnell zu handeln. Das tun wir auch gern, zumal es positiv für unsere Kunden ist. Der bürokratische Aufwand, der uns durch dieses ganze Hin und Her entsteht, ist aber immens und ärgert unsere Kunden genauso wie auch uns. Wir möchten unsere Produkte und die Preisgestaltung transparent halten. Doch das ist unter solchen Rahmenbedingungen fast nicht zu schaffen.
Wir bitten daher alle Kunden, sich möglichst über die Presse, über unsere Internetseite (www.haar24.com) oder über unseren Newsletter über Neuigkeiten auf dem Laufenden zu halten. Weitere Infos zur neuen gesetzlichen § 19-Umlage sind im Internet unter
www.eeg-kwk.net zu finden.


